Bei vier Erdölgesellschaften kam 2010 ein koordinierter Aktionärsantrag zur Abstimmung, der jeweils einen Bericht über die finanziellen und anderen Risiken der Nutzung von Ölsanden forderte, einem äusserst umweltschädlichen und kostspieligen Verfahren zur Ölförderung.
In Europa betraf dies die Konzerne BP und Shell: Nur je 15 Prozent der Anteilseigner stimmten für den Antrag oder enthielten sich der Stimme. In den Vereinigten Staaten hingegen, bei Exxon Mobil und Conoco Philips, befürworteten 27 Prozent den Antrag, bei dreizehn Prozent Enthaltungen.
Wie ist dieser grosse Unterschied zu deuten? In Grossbritannien sind die institutionellen Anleger der Ansicht, ein Unternehmen sei an der Generalversammlung zu unterstützen, wenn es den Dialog mit den Investoren zu einem wichtigen Thema akzeptiert. Der Eindruck einer Konfrontation oder Sanktion soll vermieden werden. In den USA liegen die Prioritäten anders: Hier gilt ein GV-Abstimmungsergebnis den Unternehmen als Massgabe für die Bedeutung eines Themas und die von den Anlegern gewünschte Ausrichtung der Geschäftspolitik.
Beide Spielarten haben ihre Vor- und Nachteile. Ethos ist der Ansicht, dass deren Kombination die besten Ergebnisse zeigt: Wenn der Dialog ein ideales Mittel ist, den Unternehmen die Anliegen der Investoren zu erläutern, so klärt die GV-Abstimmung den Verwaltungsrat am deutlichsten über das Gewicht der kritischen Anlegerschaft auf. In Grossbritannien werden bereits eine Ablehnung eines Zehntels der Stimmen als klares Zeichen des Anlegerwiderstands gewertet, das keinesfalls ignoriert werden kann.